Besonderheiten

Beim Fräsen treffen eventuell Teile mit sehr hohen Geschwindigkeiten auf die Scheibe. Dies ist vergleichbar mit dem Schuss aus einem Gewehr. Es treten plötzlich hundert bis zu 200 m/s an Geschwindigkeit auf. Mit einer Masse von 100 Gramm ist man im Gegensatz zu einer Kugel aus einer Pistole, die nur fünf Gramm wiegt, bezüglich der Aufprallenergie in ganz anderen Beriechen, deshalb fällt z. B. nur Glas als Schutzwerkstoff aus.
Ferner sind die Kräfte, die auf die Befestigung wirken, deutlich geringer als bei der Drehmaschine, da die Masse geringer ist. Dies führt dazu, dass dort Konstruktionen, mit weniger Randauflage (15mm genügen) angewendet werden. Mehr Auflage kann aber durchaus von Vorteil sein, denn unter Umständen könnte auch das Werkstück durch fehlerhafte Prozesse beim Fräsvorgang brechen, ein großes Teil des Werkstücks könnte beschleunigt und auf die Scheibe geworfen werden. Dann hat man nicht nur 100 g sondern ein Gewicht, das dem Werkstück entspricht. Dies kann durchaus 1-5 kg schwer sein. Gegen einen Beschuss mit großer Masse hilft nur die Auflage der Polycarbonatscheibe, weil eine gebogene, gedehnte Scheibe durch das Fensterloch durchgezogen werden kann.

Alterung

Der Alterungsfaktor bei der Fräsmaschine spielt nicht die gleiche Rolle wie bei der Drehmaschine. Dies ist darauf zurückzuführen, dass man es hier mit 100 g Massen und nicht mit Massen von 2,5 kg zu tun hat.
Ferner hat die Polycarbonatscheibe, die auch beim Fräsprozess benutzt wird, gar nicht die Zeit auszuweichen wie bei einer Drehmaschine, bei der Geschwindigkeiten von 60-80 m/sec stattfinden. Mit einer Geschwindigkeit von 180 m/sec hat das Material nicht die Zeit sich auszudehnen. Durch den Schuss wird das Material aufgebraucht und zusammengedrückt.
Ist die auftretende Kraft größer als das, was die Scheibe tatsächlich aushält, wird ein Loch gestanzt. Es ist ein grundsätzlicher Unterschied, dass die Ausbeulung des vorher so dehnbaren Materials beim Fräsen nicht die gleiche Rolle spielt. Dies bedeutet, dass man auch das Versagen einer Scheibe nicht so gut vorhersagen kann, wie bei der Drehmaschine. Deshalb muss man die Grenzen, die die EN 12417 vorgibt, genau einhalten.
Anhand der Indikatorfolie ist klar ersichtlich, dass die Alterung des Polycarbonats mit Verletzung der Folie beginnt. Das Austauschintervall der Polycarbonatscheibe wird mit zwei Jahren angegeben. Tests haben gezeigt, dass schon nach einem Jahr mit einem Rückgang der Sicherheit zu rechnen ist. In Fachkreisen hat man sich auf eine Austauschpflicht von 2 Jahren geeinigt. Durch die Indikatorfolie erhöht sich das Intervall auf fünf Jahre oder ein Jahr nach Beginn des Auflösungsprozesses der Folie. Sollte die freie Sicht nicht mehr gewährleistet sein, sollte der Austausch schon früher erfolgen. Wenn sich die Folie schon sehr früh beginnt aufzulösen, sollte der Maschinenbetreiber auf eine Lösung von Polycarbonat mit Glas und Edelstahlrahmen (dem klassischen SEGE-Fenster) umsteigen.